Oftmals wurde und werde ich mit Fragen zu einer guten Einstiegsgeschichte konfrontiert, oder aber mit fertigen Geschichten, die ich dann auf ihre Plausibilität hin überprüfen darf. Zunächst einmal vielen Dank für euer Vertrauen. Dennoch stelle ich bisweilen fest, dass die Geschichten dort ansetzen, an der der Elf bereits seine Sippe oder die dörfliche Gemeinschaft bereits verlassen hat und nur noch die Frage nach der Intention gestellt wird, warum der Elf langfristig in der Gruppe bleiben sollte. Diesen Geschichten mangelt es häufig an der Überlegung, warum der Elf überhaupt auf die Idee kam, seine Sippe zu verlassen. Natürlich steht am Anfang immer noch sehr häufig die Ausrottung der Firnelfensippe, das Bannlied der Waldelfensippe, die Landvertreibung bei den Auelfen oder aber die Suche nach dem menschlichen Vater des unglücklichen Halbelfen. Da ich aber ein in sich und über die Grenzen der einzelnen Spielertische hinaus konsistentes Aventurien befürworte, stellt sich spätestens nach der 5. Geschichte die Frage, ob es überhaupt noch Firnelfensippen gibt, oder Waldelfen, über die nicht der Bann gesungen wurde. Und - wer singt eigentlich den letzten Bann, wenn niemand mehr da ist? ( Vergleiche hierzu auch meine Anmerkungen zu den Startschwierigkeiten.) Oftmals gebricht es den Darstellern an der Fähigkeit sich vorzustellen, dass ein Elf aus einer für menschliche Verhältnisse unverständlichen und geradezu harmlosen Situation heraus sich genötigt sieht, die Sippe zu verlassen. Diese und andere Überlegungen haben mich dazu bewogen, einmal zu überlegen, wie denn so eine Geschichte aussehen könnte, die davon berichtet, dass eben dieser ganz normale Elf einen für ihn bis gestern noch völlig unvorstellbaren Weg gehen muss - den Weg ins Ungewisse. Diese Geschichte erhebt selbstverständlich nicht den Anspruch auf Originalität oder gar auf ein überdurchschnittliches erzählerisches Moment. Sie will nur zeigen, mit welchen einfachen Mitteln man einen Elfen auf den Weg bringt. Meiner Intention nach müsste diese oder eine sehr ähnliche Geschichte auf jeden spielbaren Elfentypus passen. Aber mit dem Hinweis, dass der Elf im Verlauf seiner Reise seine Unschuld, also seine natürliche Lebensart, zwangsläufig verlieren muss. Dies, und damit muss sich ein jeder Elfendarsteller abfinden, geht eingedenk der Tatsache, dass der Elf mit mehr oder weniger badocem Gedankengut früher oder später ganz einfach konfrontiert sieht. Tragischerweise geschieht dies so schleichend, dass er es noch nicht einmal merkt........
( Mit besten Dank übrigens an Kristian 'Krischan' Kerber für die Inspiration. Ich habe die Idee, die uns auf der RatCon gekommen ist, endlich umgesetzt. ) |
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"Leiden-Schaften" Irgendwo im Norden Aventuriens, irgendwann am Beginn irgendeines Sommers. "Der Frühsommer zeichnete sich nicht gerade durch seine besondere Begünstigung des immerscheinenden sha aus. Ich hatte schon wärmere Tage erlebt, soviel stand einmal fest. Vielleicht lag mein ständig fröstelndes Gefühl aber auch daran, dass ich die schützende Gemeinschaft der heimatlichen Sippe zum ersten Male in meinem Leben länger als für nur ein paar Tage der Jagd verlassen hatte. Die Vorstellung, meine Familie und Freunde so schnell nicht wiedersehen zu können, behagte mir nicht sonderlich. Mehr noch. Ich fühlte mich einsam und verlassen. So verlassen, wie sich vielleicht nur noch ein Schiffbrüchiger fühlen kann, der auf einer 5 mal 5 Steinwurf großen Insel strandet und einer ungewissen Zukunft entgegensieht. Zumindest stellte ich mir das so vor, denn eine solche Insel kannte ich nur aus Schilderungen einiger weit gereister fey´e, die als Heimkehrer oder Besucher nicht gerade besonders hohes Ansehen oder sich gar einer besonderen Geborgenheit in der Sippe erfreuen konnten. Solche zumeist badocen fey´e galt es in den gemeinsamen Stunden an den Lagerfeuern oder später in der Nacht in den Träumen zu meiden. Vielleicht auch deshalb, weil diese etwas fruchteinflößendes Ausstrahlten, gegen das wir, die wir die Wälder und Auen nur mit unseresgleichen verließen, nicht zu Wehr setzen konnten. Zu stark war die Faszination des Fremden und gleichsam die Furcht davor, dass wir es dann lieber gleich vermieden, einen zu engen Kontakt mit die fey´e zu pflegen. Es geschah nicht oft, dass einer der Reisenden Aufnahme für länger als einen Madawechsel in einer der Sippen fand. Zu groß war die Angst, sich an irgend etwas unbekanntem anzustecken. Etwas, dass wir noch nicht einmal fassen oder begreifen konnten, geschweige denn beim Namen zu nennen wussten. Und wenn es doch geschah, dann mussten dem Reisenden die schädlichen Erinnerungen genommen werden, an das, was ihm so übel mitgespielt hatte. Wohl der Sippe, die über einen solchen verfügte, der arme geschundene Seelen heilen konnte, in dem er ihnen einfach die Erinnerung an die schädlichen Einflüsse nahm. Leider jedoch, wichen mit den schädlichen Erinnerungen auch die oftmals schönen Erinnerungen, an das frühere Leben. Meist über den Zeitraum zwischen dem Aufbruch bis zu dem Zeitpunkt, als der Reisende nach dem Ritual wieder erwachte. Diese Rituale, so habe ich mir erzählen lassen, werden häufig von den Brüdern und Schwestern der lairfey´e angewandt, um unerwünschte Besucher auf sanfte Art und Weise vor den Wald zu begleiten, ohne sie töten zu müssen. Letzteres geschieht ohnehin nur bei aggressiven Eindringlingen, die es nicht besser haben wollen. In unserer Sippe oder denen der angrenzenden Gebiete gab es keinen solchen - und selbst wenn, hätte ich mich einem solchen Ritual nicht unterziehen wollen. Meine Furcht davor war sogar noch größer, als die Furcht vor dem, was vor mir lag. _______ Mit solchen und ähnlichen Gedanken und Erinnerungen entfernte ich stetig von den Stätten meiner Geburt und meiner Kindheit. Seit einiger Zeit war mir auch das Land fremd geworden und ich war mir sicher, dass ich hier noch niemals zuvor gewesen war. Du liebes Bisschen - ich war doch erst einen Tag unterwegs und ich verging jetzt schon vor Heimweh nach der Familie. Wie sollte das denn erst morgen werden. Oder noch später. 'Reiß dich zusammen', redete ich mir gut zu. 'Du musst dir einfach nur einen Ort suchen, an dem du deine gefährlichen Gedanken loswerden kannst oder doch zumindest lernst, mit ihnen umzugehen, ohne dass du der Sippe Schaden bereitest.' Besorgt um die Zukunft meines Gemütszustandes machte ich mich weiter auf dem Weg ins Irgendwo - immer weiter weg von den Feuern unserer Sippe, den Orten unserer Jagdgründe und Sammelstellen, mit der stummen Frage im Kopf, ob ich dies wohl alles noch einmal sehen würde. Später, viel später. Aber die Antwort war allgegenwärtig und sie hieß: Nein! Doch nicht nur die Sorge um die Sippe im Allgemeinen beschäftigte mich auf meiner Wanderung. Auch die Sorge um die zwei meiner Sippe, die Auslöser für meine Wanderung waren, so wie auch ich Schuld an dem kommenden Ritual war, welches sich der eine von ihnen in der nächsten Zeit unterziehen würde. Der Fallensteller Lafadiel Biberstamm und natürlich die schönste und faszinierendste aller Elfen, Shahynia Morgengruß. _______ Alles begann, als Shahynia Morgengruß unsere kleine Sala besuchte. Sie, die sie schon so weit gereist war ( sie hatte fast das gesamte Gebiet nördlich der sala mandra bis hinauf an die nördliche See bereist, und das ist zumindest für elfische Verhältnisse schon ziemlich weit), kam eines Tages in unsere Sippe. Müde von der Wanderschaft und müde von dem Gräuel, der unter den Menschen herrscht, bat sie um Aufnahme in unserer Gemeinschaft. So wie sie sagte, sei ihr diese Bitte schon bei anderen Sippen abgeschlagen wurden und es schien, dass es ihr in unserer kleinen Gemeinschaft nicht besser ergehen würde. Doch zunächst einmal gewährten wir ihr ein Stückchen unserer gemeinsamen Stärke, auf dass sie zumindest ein wenig zur Ruhe kommen konnte. Shahynia. Ach, ich war auf Anhieb von ihr und ihren Geschichten und Liedern gefangen. Und sie kannte viele neue Lieder. Solche, die die Alten unserer Sippe nicht bereit waren, zu hören. Shahynia war nicht so wie die Elfen meiner Sippe. Sie kleidetet sich anders, sie sprach und sang anders und sie nutzte sogar ihre natürlich Gabe anders. Weniger aus dem Gefühl heraus. Und sie wirkte dabei mitunter sehr angestrengt. Sie brachte aber auch irgend etwas mit in das Leben und die abendlichen Lieder der Sippe, dass auf Lafadiel und mich sehr seltsam wirkte. Furchteinflößend aber zugleich anziehend; gefährlich anziehend. Ich ertappte mich dabei, wie sich in mir ein unbekanntes Gefühl erkannte. Ein Gefühl, das ich irgendwo zwischen verhaltenem Lachen und dem Springen über eine tiefe Schlucht ansiedeln würde. Nein, näher noch kam dieses Gefühl dem, dass ich früher hatte, als ich in der Gestalt meines Seelentiers über die weiten der sala mandra glitt und die Tiefe unter mir an meinem Geist saugen fühlte. Ich hatte schon immer ein bisschen Höhenangst. In den ersten Monden meiner Verwandlungen. Früher mehr als heute, da ich nun in der Gestalt meines Seelentieres geübter bin. Ja, aber genau dies war das Gefühl. Ein Gefühl, als ob etwas nach mir zerren würde, mich rufen würde - und ich ihm folgen müsste. Und das tat ich. Ich ließ mich darauf ein, von Shahynia Morgengruß gerufen zu werden. Und Lafadiel berichtete mir später, nach unserer Auseinandersetzung, zwar mit anderen Worten, dass er ein sehr ähnliches Gefühl hatte. Und er ihm genau wie ich nachgab. Bemerkenswert war nur, dass außer uns beiden niemand dieses Gefühl so stark spürte. Die anderen spürten nur die Anwesenheit Shahynias und empfanden es zunächst nur fremd und vermieden es, sich in den gemeinsamen Liedern zu sehr auf die gefährliche Elfe einzulassen. Lafadiel war wie ich zu diesem Zeitpunkt ohne eine Gefährtin. Vielleicht lag es auch daran, dass wir so empfänglich für dieses unbestimmte Gefühl waren. ____ Lafadiel und ich verbrachten viel Zeit mit Shahynia. Wir zeigten ihr die Umgebung. Die Wälder in denen wir jagten; die Flüsse, in denen wir fischten und natürlich den See, in dem wir manchmal stundenlang badeten und schwammen. Wir verbrachten wirklich sehr viel Zeit zusammen. Soviel Zeit, dass wir von unseren Alten sogar zur Seite genommen wurden, die für aber uns Worte der Warnung hatten. Worte, die wir nicht hören wollten. Und das die uns schließlich zum Verhängnis werden sollte, daran dachte niemand von uns beiden. Das mit uns dreien ging ja auch gut - eine Zeit lang. Doch dann kam der Tag, als Lafadiel einen ganz seltsamen Gedanken formte. Er sagte, dass Shahynia nun seine Gefährtin werden würde und er mit ihr ziehen würde, eine andere Sippe suchen. Eine Sippe, deren Alten nicht so sehr von Furcht geplagt war. Ein Sippe, die einer Reisenden eine echte Möglichkeit bot zu bleiben und nicht nur Worte des Bedauerns entgegenbrächte. Auch ich hatte in den letzten Tagen ähnliche Gedanken in mir gespürt, die stark genug waren, nun meinerseits meinen Besitzanspruch anzumelden. Wir gerieten in Streit. Etwas, dass so ungeheuerlich war, dass wir eines völlig übersehen hatten: wir wollten etwas besitzen! Ein lebendes Wesen......... _______ Der Rat der Sippe hatte über uns zu richten. Alle saßen sie im Kreis im Schatten des höchsten Ahorn der sala und hielten Rat über unseren weiteres Leben. Shahynia Morgengruß durfte daran nicht teilnehmen, befürchtete die Sippe doch, dass auch sie von ihrem schädlichen Gedankengut angesteckt wurden. Enttäuscht und auch verwirrt. Shahynia verstand die Situation gar nicht. Sie verstand am allerwenigsten, dass wir uns zwar nicht vor ihr fürchteten, aber umso mehr vor dem Gefühl in uns. Und sie verstand nicht, dass der Rat über Lafadiel und mich nicht wegen des Streites zu richten hatte, wie es unter Menschen wohl üblich war, sondern der Rat zu beschließen hatte, ob sie es riskieren konnten, uns weiterhin in der Sippengemeinschaft zu halten. Und wenn, was sie tun müssten, um dies gefahrlos geschehen zu lassen. So einen Vorfall hatte es so lange nicht gegeben, dass sich auch die Alten nicht daran erinnern konnten. Lediglich in ganz alten und selten gesungenen Liedern, die warnend von Bruderzwist und Begehren erzählten, kamen ähnliche Situationen vor - leider aber ohne echten Ratschlag für die Sippe, wie in einem solchen Fall zu verfahren sei. ______ Vermutlich wäre eine Lösung gefunden worden, wäre - ja wäre nicht Shahynia Morgengruß, die schöne und faszinierende Elfe nicht einfach in der Nacht fortgegangen. Ohne ein Wort des Abschieds, und ohne einen Hinweis darauf, wohin sie gegangen war. Die befragten Sippenmitglieder schwiegen sich darüber aus, und meinten nur, dass es so am Besten für alle Beteiligten wäre.............. _____ Und so kam es, dass ich mich dem Ritual verweigerte und ein paar Tage später, als die gemeinschaftliche Situation für alle immer unerträglicher wurde, meine Sachen packte und ihr zu folgen begann. Ich konnte ihrer Spur noch folgen, bis zu der Stelle, wo sie den Wald verließ - und danach gab es keine Spuren mehr. Sie war wie ich in der Lage, auf ihrem Element keine Spuren zu hinterlassen, wenn sie es nicht wollte. Aber dass sie es nicht wollte, dass ich ihr folgte, war nicht zu erkennen. Ich hielt es lediglich für eine allgemeine Vorsichtsmaßnahme. Der Wunsch, ein Wunsch, Begehren, Verlangen und Leidenschaft! Neue und verwirrende und vor allem gefährliche Gefühle. Von einer Mächtigkeit, die mich aus den schützenden Armen meiner Familie gerissen hatten. Für immer? Und so begann ich ihr zu folgen. Ob ich sie wohl jemals finden würde?" .............. |